Das Stück
Dionysos steigt in die Unterwelt hinab. Er sucht eine künstlerische Stimme, die den Menschen wieder etwas zu sagen hat.
Aristophanes’ Komödie trifft auf die Musik von Mikis Theodorakis und Manos Hatzidakis. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart beginnt ein neuer Wettstreit. Wer wird die Welt der Lebenden verändern?
Eine Begegnung mit Kunst, Macht und der Frage, welche Stimmen wir heute brauchen. Wer den musikalischen Wettstreit gewinnt, bleibt eine Überraschung.
„Kunst wird die Welt retten.“
Das digitale Programm
Die Geschichte, ihr politischer Hintergrund und unsere musikalische Adaption. Das Programm ist hier vollständig und jederzeit lesbar.
Deutsch & ΕλληνικάARISTOPHANES „Frösche“: KUNST WIRD DIE WELT RETTEN
Dionysos: Einen guten Dichter misse ich. Tot sind die Besten; die Lebenden: schlecht!
Aristophanes und die Reise in die Unterwelt
Hierbei dreht es sich um die künstlerische – und zugleich politische – Motivation des Gottes Dionysos in der allegorischen Komödie „Frösche“ von Aristophanes. Aristophanes hatte genug von den künstlerischen Bedingungen seiner Zeit. In Athen, das seit 25 Jahren vom Peloponnesischen Krieg und all seinen gesellschaftlichen Folgen geplagt wurde, beschloss er im Jahr 406 v. Chr., nach dem Tod des letzten großen Tragödiendichters Euripides, dass eine Rückkehr zu den Werten der Vergangenheit nötig sei, die einst die Attische Demokratie zu ihrer Hochblüte geführt hatten. Die wirtschaftliche Lage der Stadt ist tragisch, die politische Szene turbulent. Und wer sonst könnte die Moral der Bürger stärken, wenn nicht die poetische Kunst mit ihren Lehren und ihrem Ethos?
So schickt Aristophanes auf der Suche nach einem Ausweg in der Kunst den als Herkules verkleideten Dionysos in Begleitung seines Sklaven Xanthias in die Unterwelt, um Euripides mitzubringen. Der Weg zur Unterwelt ist beschwerlich, die Frösche des Acherousia-Sees quaken ohrenbetäubend – ebenso wie die unterdurchschnittlichen Künstler einer jeden Epoche. Es gibt viele Hindernisse, doch die Unterwelt selbst ist ein Spiegelbild dessen, was sich darüber befindet. Zu diesem Zeitpunkt ist es dort vielleicht sogar noch angenehmer! Zwar ist die Unterwelt traurig, aber aus der komischen Sicht des Dichters unterhaltsam. Auch dort werden die Fäden von den Mysten, den vernetzten Insidern gezogen.
Der Wettstreit im Hades
Hinweis: Dieses Kapitel verrät den Ausgang des antiken Originals. Das Ende unserer musikalischen Adaption bleibt eine Überraschung.
Nach ihrer abenteuerlichen Ankunft im Totenreich und einer Reihe von Missverständnissen stellen sie fest, dass sie gerade zur rechten Zeit angekommen sind: Im Hades tobt ein Wettstreit zwischen Euripides und Aischylos um den großen Thron der Tragödie. Um das Problem zu lösen, ordnet Pluto die Durchführung eines Literaturwettbewerbs an. Dionysos nutzt die Gelegenheit und tritt als Richter auf. Die Spannung steigt: Wer gewinnt? Die beiden Dichter konkurrieren miteinander und setzen Argumente und Tricks ein, um sich durchzusetzen. Und gleichzeitig geht Dionysos durch ihre Antworten der Frage nach: Wer ist in der gegenwärtigen Situation Athens notwendiger? Das ist die Frage! Für Dionysos ist der Sieger letztendlich Aischylos, der in „Die Frösche“ zum Symbol der guten alten Zeit wird, denn er repräsentiert den Ruhm der Stadt nach den Perserkriegen, als noch Einheit und Harmonie herrschten und Athen ein Synonym für Macht war. Der unterlegene Euripides wurde abgelehnt, weil er ein Innovator war, der Kritik an den etablierten Institutionen äußerte. So erweckt Dionysos sowohl Aischylos als auch die alten Werte wieder zum Leben.
Unsere Adaption und ihre Musik
Zeiten wie jene, in der Aristophanes‘ Werk entstand, wiederholen sich in der Geschichte immer wieder. Auch heute noch, in unserer Zeit, sind in der Welt der Künstler Armut und Elend präsent. Kriege auf globaler Ebene haben zur Verarmung vieler Menschen, zu wirtschaftlicher Instabilität und Unsicherheit über die Zukunft geführt. In unserer Adaption der „Die Frösche“ glauben wir einerseits an die ewige Kraft der Kunst, Menschen zum Besseren zu verändern, und lassen uns andererseits von einem sehr wichtigen Jubiläum der griechischen – und auch der weltweiten – Musik inspirieren: Im Jahr 2025 jährt sich die Geburt der beiden vielleicht größten zeitgenössischen griechischen Komponisten zum hundertsten Mal, die zwar sehr unterschiedlich sind, aber gleichermaßen wichtige Beiträge geleistet haben: Mikis Theodorakis und Manos Hatzidakis. Dieses Musikerpaar schafft wie ein zweiter Aischylos und Euripides nationales Kapital und hat zu seinen Lebzeiten ganze Generationen von Griechen geprägt, politische Situationen geformt, sowie politische und gesellschaftliche Ereignisse der modernen griechischen Geschichte beeinflusst. Erwähnenswert ist, dass beide Komponisten viele moderne Aufführungen antiker griechischer Dramen mit ihrer unvergleichlichen Musik bereichert haben.
Unsere „Frösche“ werden in die Gegenwart versetzt, mit allem, was das für die Personen des Stücks und die beschriebenen Situationen bedeutet, wie es sich für Komödie und Satire gehört. Unsere „Frösche“ werden den zeitlosen Griechen Dionysos nicht daran hindern, in die Unterwelt hinabzusteigen, wo eine ehrenwerte Vergangenheit noch immer lebendig ist, und denjenigen zur Welt zurückzuholen, den er für unsere Gegenwart als am nützlichsten erachtet. Der Wettbewerb wird intensiv sein und sich nicht auf Poesie, sondern auf die Musik der beiden führenden Komponisten konzentrieren!
Wer diesen neuen Wettbewerb gewinnen wird, soll eine Überraschung sein!